Frettchen gehören zu unseren charmantesten Patienten: neugierig, verspielt und mit großem Dickkopf. Gleichzeitig sind sie medizinisch anspruchsvoll — einige ihrer typischen Erkrankungen sind für Halter kaum zu erkennen, und bei der Ernährung werden viele gut gemeinte Fehler gemacht.
Ernährung: strikte Fleischfresser
Frettchen sind reine Karnivoren mit kurzem, schnellem Verdauungstrakt. Sie brauchen hochwertiges, fleischbasiertes Futter — spezielles Frettchenfutter oder ergänzte Frischfleischfütterung. Obst, Gemüse, Getreide und Zuckerhaltiges haben im Napf nichts verloren; gerade Zucker steht im Verdacht, die Entstehung von Insulinomen zu begünstigen. Vorsicht auch bei Katzenfutter: Nur hochwertige, fleischreiche Sorten kommen übergangsweise infrage.
Impfschutz: Staupe ist ein Todesurteil
Die Staupe verläuft beim Frettchen fast immer tödlich — und das Virus kann auch über Kleidung und Schuhe in die Wohnung gelangen. Die Impfung ist deshalb für jedes Frettchen Pflicht, auch für reine Wohnungstiere. Details zum Ablauf finden Sie in unserem Impfplan für Frettchen und Skunks.
Wichtig für Halter unkastrierter Fähen: die Dauerranz
Weibliche Frettchen bleiben ohne Deckung dauerhaft in der Ranz. Der anhaltend hohe Östrogenspiegel unterdrückt die Blutbildung — es droht eine lebensbedrohliche Blutarmut. Deshalb gehört zu jeder Fähe, mit der nicht gezüchtet wird, ein Plan: Kastration oder Hormonimplantat („Chip“). Sprechen Sie uns rechtzeitig an, nicht erst wenn die Ranz begonnen hat.
Typische Erkrankungen im Überblick
- Insulinom (Tumor der Bauchspeicheldrüse, ab mittlerem Alter): zeigt sich durch Schwächeanfälle, glasigen Blick, Speicheln, „Einfrieren“ — oft nur minutenweise.
- Nebennierenerkrankung: beginnender Haarverlust an Schwanz und Rumpf, bei Fähen geschwollene Vulva, verändertes Verhalten.
- Verschluckte Fremdkörper: Frettchen lieben Gummi und Schaumstoff — Darmverschlüsse sind bei Jungtieren ein klassischer Notfall. Wohnung konsequent „frettchensicher“ machen!
- Ohrmilben und Zahnprobleme — bei der jährlichen Kontrolle gut zu erkennen.
Unsere Empfehlung
Einmal jährlich zum Gesundheitscheck mit Impfung, ab etwa vier Jahren gern halbjährlich — viele Frettchenkrankheiten entwickeln sich schleichend und sind früh erkannt deutlich besser behandelbar. Und wenn Ihr Frettchen plötzlich apathisch ist, speichelt oder Schwächeanfälle zeigt: bitte sofort anrufen.
